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Fedeli d'Amore

Maler und Bildhauer

Dichter und Philosophen

Ursprung

Der Orden der Getreuen Amors (Fedeli d’Amore) ist ein Geheimbund von Literaten, dem Dante angehörte und deren Lehrmeister Guido Cavalcanti zu sein schien. Er bildet den Schnittpunkt zweier Kulturen: Zum einen die lange Tradition der provenzalischen Minnesänger und Minnesänger, die Cavalcanti und Dante vollenden oder vervollkommnen; Zum anderen, die sich durch eine neue Mystik auszeichnende Ordensgemeinschaft der Sufis (dessen Angehörige auch als Derwische bezeichnet werden).
Mit den Kreuzzügen kam die Poesie der Derwische in den Okzident. Im Bund der zum Templerorden gehörenden christlichen Ritter, ein aufsehenerregendes Echo und hinter der scheinbar historischen Feindschaft, trägt ein unsichtbares Zusammentreffen das der Ibn' Arabi als Gedankengut der Averroès und dieWerte der 'âshiq in den Okzident. Die Getreuen Amors erscheinen in den Augen der späteren Derwische als eine unerwartete florentinische Variante der Shadhiliyya hinsichtlich deren Leitsätzen (der Vereinung von Liebe und Poesie) bis hin zum gemeinsamen Symbolismus der Systeme (zum Beispiel in der Zahlenmythik um die Ziffer Neun).

Einführung

Die Einführung der Getreuen Amors beginnt vor ihrem Eintritt in diese kleine Gesellschaft: Es handelt sich um die Erfahrung mit der Liebe selbst, die als ein eigenständiges Mysterium das christliche letztendlich unsichtbar abschafft. "Die Liebe ist eine Religion, deren Gott fehlbar ist" sagte Borges mit Eleganz. Sich zu verlieben (und wenn möglich in ein schönes junges Mädchen) war der Schlüssel, der die rätselhafte Tür zum Herzen öffnete. Von den Minnesängern bis hin zu den Beatles, kann die Liebe, jedes Mal, wenn es darum geht, ein natürliches Idiom in der durch die Umgangssprache hervorgerufenen Skandierung zu opfern, die sich selbst in dem Maße entfremde, in dem sie in Liebe übergeht, diese doppelte Bedeutung haben: die einer Heiligsprechung der Immanenz wie die einer Abschaffung der Privilegien der Transzendenz. Die andere Welt gibt es in dieser Welt, erlebt wie ein Spiegel im doppelten Sinne, und die Liebe ist der Schlüssel zu der Reise, die Liebe erlaubt das Festhalten der Zeit, die sich in die beiden Richtungen gabelt und den Aïon in einem Körper zu materialisieren. Das zweite Stadium bestand im Scheitern seines galanten Unternehmens im Hinblick auf die erotische Spannung, ohne sie jedoch zufriedenzustellen (in der Nähe masochistischer Extase oder taoistischer Praktiken). Die dritte begann mit der Vertrautheit der Poesie, der Aneignung einer Sprachpraktik, die im Liebesgefühl nachgezeichnet werden: ein leidenschaftlicher Stil, ein Vorspiel im Sinne des Lebens.

Wie man leicht verstehen kann, hat der Durchschnitt der Jugendlichen (Jungen und Mädchen) in der Menschheitsgeschichte genug Ansprüche darauf, um Treue der Liebe zu werden. Im Unterschied zum christlichen Paradies (das Dante besuchen wird), viele Auserwählte. Kommt aber die Poesie ins Spiel, fehlt den meisten Auserwählten die Berufung, und sie ziehen sich zurück. Denn die Poesie, wie sie von Dante Alighieri, Cino da Pistoia, Lapo Gianni, Gianni Alfani, Dino Frescobaldi oder Guido Cavalcanti praktiziert wird, verlangt intellektuelle Anstrengung, eine Theorie-Strenge, die der Entdeckung eines Stils gleichkommt oder die Gedanken kreisen lässt. Die Forschung ist die der formellen Perfektion oder eines Sinns bis hin zur Verletzung, die Rundfahrt, zugleich mysteriös und magisch, wo Rezitativ, Phanopée und Logopée mit sanfter Sprache und niedriger Stimme ihre Akme erreichen.

Dantes Einführung

Im Kapitel XVIII des Vita Nova überschreitet Dante die entscheidende Phase. Als eine Gruppe junger Mädchen, angeführt von Jeanne Primavera, Dante fragt, warum er Beatrice liebt, während er bei ihrem Anblick zusammenbricht und vor ihr flieht, seitdem sie seinen Gruß mit Geringschätzung erwidert hat, antwortet er: "Meine Damen, das Ende meiner Liebe war unlängst der Gruß dieser Dame, über die sie vielleicht sprechen möchten. Und in ihr wohnt meine Glückseligkeit, die das Ende all meiner Wünsche ist. Aber seit sie mich abgelehnt hat, hat mir mein Herr, die Liebe, ihm sei Dank, all meine Glückseligkeit wieder gegeben, die mir nur genommen werden konnte. Jeanne und ihre Freundinnen verabreden sich und bitten ihn schließlich, genauer anzugeben, wo er seine Glückseligkeit herbekommt. Dante entgegnet mit seinem üblichen und natürlichsten Stolz der Welt: "In den Worten, die meine Frau loben". Aber Jeanne sagt zu ihm: "Wenn das wahr wäre, hättest du die Verse, in denen du deinen Zustand schilderst, in eine ganz andere Richtung gedreht." Dann geht Dante, den Schwanz zwischen den Beinen, und verbringt einige ängstliche und aufgeregte Tage, bis er im folgenden Gesang die Verse findet, die die Menschen der Liebe zum Zittern bringen....

Von gestern bis heute

Im Okzident ist der Orden der Getreuen Amors offiziell Ende des Mittelalters aufgelöst. Einige ihrer Mitglieder entschieden sich, in die Länder des Mittleren Ostens, nach Syrien oder Ägypten auszuwandern, andere zogen die strengste Heimlichkeit vor. Dennoch gibt es Beweise, dass diese Organisation sich einfach versteckt gehalten und die Jahrhunderte bis hin in unsere Tage mitten im Okzident überdauert hat. Soweit man weiß, gibt es diese Organisation mit der Gründungsordnung seit dem Mittelalter nicht mehr. Man glaubt, dass es sich nur um Einzelfälle und individuelle Erfahrungen handelt. Was bedeutet es, in unserer Zeit einer Getreuer Amors zu sein? Muss man, um es zu sein, einer Organisation wie dieser mit ihrer Hierarchie, ihren Einführungsriten und ihrer Geheimsprache angehören? A propos Rosenkreuz, René Guénon hat uns auf diesen Irrtum aufmerksam gemacht: "Der Begriff Rosenkreuz ist genau die Bestimmung eines effektiven Einführungsgrades, dessen Besitz in der Tat nicht notwendigerweise mit der Tatsache verbunden ist, einer bestimmten festgelegten Organisation anzugehören. Das gleiche gilt zweifellos für die Getreuen Amors von heute.

Spricht man von der heutigen Treue der Liebe, muss man sicherlich an diese frühere Organisation denken, die den Orient erreicht hat und wo einige Mitglieder aus dem Okzident wohl bekannt sind: Dante, Cavalcanti, Petrarca, man muss hier aber auch einen Weg und eine Welt der geistigen Verwirklichung sehen, den sich einige Individuen seit ihrer Okkultierung unter den Bedingungen ausgeborgt haben, dass sie genauso mysteriös bleiben, wie zu der Zeit, in der diese Organisation ihren Höhepunkt erlebte: Raffael, Pico della Mirandola, Giordano Bruno. Was die Organisation der Getreuen Amors in der Tat unterscheidet, das ist ihr Geheimnis. Das erklärt, warum die Mitglieder so wenige Spuren hinterlassen haben, ausgenommen natürlich das vollständige Werk von Dante, vorausgesetzt, man kann die Mysterien entschlüsseln. René Guénon weist uns übrigens darauf hin, dass unsere Zeit, so obskur und ungünstig für die Esoterik sie auch sein möge, uns dennoch ein besseres Verständnis ermöglichen könnte.

Über das Morgenland und das Abendland

Es gab eine Zeit, wie wir bereits sagten, zu welcher der Orden der Fedeli d'Amore, der Getreuen Amors, als Initiationsorganisation bestand, und diese Zeit bleibt mit der Geschichte der Kreuzzüge verbunden. Denkt man nun wie René Guénon, dass diese Zeit "einen regen geistigen Austausch zwischen Morgenland und Abendland" hervorgebracht hat, kommt man zu dem Schluss, dass die Initiation der Getreuen Amors sie dazu in die Lage versetzte, mit denjenigen aus dem Morgenland in Verbindung zu treten. Dieser Austausch war aber während mehrerer Jahrhunderte wegen der "Degeneration des Abendlandes" in der Esoterik unterbrochen. Das zwanzigste Jahrhundert hat einen Zugang zu Texten morgenländischer Autoren eröffnet, die im Abendland unveröffentlicht geblieben waren. Ihr Vorhandensein fördert von nun bessere Kenntnisse über die Bewegung der Getreuen Amors, die grundlegend morgen- und abendländisch ist. Bedeutet dies nun, dass die Initiation zum Orden der Fedeli d'Amore möglich geworden ist? Es hieße schon, die Natur der Initiation selbst – die eine Übertragung ist – zu verkennen, und dennoch hat uns René Guénon selber in dem Schlusswort zu seinem Der König der Welt darauf aufmerksam gemacht, dass "unter den Umständen, inmitten derer wir gegenwärtig leben, die Ereignisse mit einer derartigen Geschwindigkeit vonstatten gehen, dass viele Dinge, deren Gründe nicht unmittelbar in Erscheinung treten, – und zwar häufiger als man zu glauben geneigt ist – ziemlich unvorhergesehene, wenn nicht sogar völlig unvorhersehbare Anwendungen finden."

Die Geschichte der Bewegung der Getreuen Amors im Abendland endet nicht mit dem Verschwinden des Ordens der "Fedeli d'Amore" bzw. dessen Verschleierung. Hier ist das Wort "Abendland" in der Weise, wie es von René Guénon in seinem Morgenland und Abendland) verwendet wird, zu verstehen, z.B. wie ein geographischer Raum mit christlicher Tradition im Gegensatz zu einem "Morgenland" mit seiner semitischen, moslemischen und jüdischen Tradition. Das übrigens erklärt, wieso Henry Corbin diese Fährte in Richtung Ibn ‘Arabi, der Theosophen und persischen Dichter wie Ruzbehan Baqli, Hafez oder auch Fakhr ‘Eraqi verfolgt hat. Die Tradition der Bewegung der "Getreuen Amors" ist aber auch eine abendländische Tradition, insofern sie die drei monotheistischen Religionen oder vielmehr deren Esoterik wie die Kabbale, hebräische Tradition, islamische Esoterik und christliche Esoterik betrifft. Julius Evola und René Guénon behaupten, dass sie im Fernen Osten, insbesondere in Indien, ihre Entsprechung findet.

Wie dem auch sei, erstreckt sich die Geschichte der "Getreuen Amors" im Abendland über das von René Guénon bestimmten Datum hinaus – welcher noch Boccaccio und Petrarca nach Dante und den Getreuen Amors nennt. Deswegen ist es angebracht, hier die "fehlenden Glieder" anzusprechen, durch die diese Geschichte bis zum heutigen Tage andauert. Dabei ist es nicht ausschlaggebend, dass sie sich heutzutage den Namen der Jünger von Glauben und Liebe zugelegt haben und sich dabei auf eine Sammlung von philosophischen Fragmenten des deutschen Schriftstellers Novalis beziehen. Sie reihen sich durchaus in dieselbe Geisteshaltung ein, der auch die Getreuen Amors anhängen. Es reicht aus, zwei davon zu zitieren, einen Dichter und einen Maler, und zwar Novalis und Raffael: "Der romantische deutsche Dichter und der italienische Maler kommen aus derselben spirituellen Schule, nämlich die der visionären Künstler, die durch die in ihrem Leben vom Schicksal gesandte Erscheinung eines bestimmten schönen Gesichts, eines menschlichen Gesichts wie das von Sophie bei Novalis, das dieser mit den Augen seiner Seele betrachtet hat, oder eines göttlichen Bildes, das der heiligen Jungfrau Maria bei Raffael, der eines Nachts deren Offenbarung erfuhr, in die Bewegung der Getreuen Amors eingeführt worden sind. »

Es gibt übrigens Belege für ihre Zugehörigkeit zu den Nachkommen der Getreuen Amors. So berichtet Wackenroder dieses Zitat aus einem Schreiben des italienischen Malers an den Grafen von Castiglione: "Da man so wenig schöne weibliche Formen sieht, halte ich mich im Geiste an ein bestimmtes Bild, das in meiner Seele entsteht", als er einige Blätter von Bramante in Bezug auf die Raffael eines Nachts erschienene Vision eines Bildes der Jungfrau Maria übertrug. Man müsste diesen Text vollständig zitieren, man behält aber, dass "das Herrlichste ist, dass es ihm schien, dass dieses Bild eben das war, was er immer gesucht hatte, wenngleich er hiervon niemals mehr als ein unklares und konfuses Vorgefühl besaß" und auch dass "die Erscheinung für immer in seinem Herzen und in seinen Sinnen verankert blieb; ihm war es dann gelungen, die Züge der Mutter Gottes, wie sie sich vor seiner Seele dargestellt hatten, wiederzugeben, wobei er immer eine gewisse Achtung selbst vor den von ihm gemalten Bildern hatte. Sollte er einen Zweifel wegen der Anwesenheit der Mutter Gottes bei der Initiationserfahrung der Getreuen Amors gehabt haben, führen wir uns mit René Guénon wieder vor Augen, dass es zahlreiche Initiationssymbole der Mutter Jesu gibt, deren Anwendung "durch den Bezug der heiligen Jungfrau zur Keuschheit und zu Shekinah vollkommen gerechtfertigt ist".
Was Novalis betrifft, ermöglichen es einige Auszüge aus den Dialogen zwischen Heinrich und Mathilde in seinem einzigen, unvollendeten Roman, Heinrich von Ofterdingen (1801), zu verstehen, warum er für den reinsten Vertreter der abendländischen Tradition der Bewegung der Getreuen Amors gehalten wird: "Du bist die Heilige, die meine Wünsche zu Gott bringt, durch die Er sich mir offenbart, durch die Er mir die Fülle seiner Liebe kundtut. Was ist die Religion, als ein unendliches Einverständnis, eine ewige Vereinigung liebender Herzen? Wo zwei versammelt sind, ist Er ja unter ihnen. Ich habe ewig an dir zu atmen; meine Brust wird nie aufhören dich in sich zu ziehen. Du bist die göttliche Herrlichkeit, das ewige Leben in der lieblichsten Hülle. Könntest du nur sehn, wie du mir erscheinst, welches wunderbare Bild deine Gestalt durchdringt und mir überall entgegen leuchtet, du würdest kein Alter fürchten. Deine irdische Gestalt ist nur ein Schatten dieses Bildes. Die irdischen Kräfte ringen und quellen, um es festzuhalten, aber die Natur ist noch unreif; das Bild ist ein ewiges Urbild, ein Teil der unbekannten heiligen Welt."

Man kann unter diesen Bedingungen behaupten, dass die geistige Schule der Getreuen Amors im Abendland ununterbrochen weiter bestand, selbst wenn es hier nicht darum geht, von einem Orden zu sprechen – hat dieser Orden als solcher außerdem überhaupt jemals existiert, war er nicht eher eine Initiationsorganisation im Sinne von René Guénon? Dass diese Organisation weiterhin aktiv bleibt, selbst wenn sie dabei nicht sichtbar ist, ist nichtsdestoweniger gewiss. Das ist nun schließlich das Wichtige. Genauso wie ihr Vorhandensein im Abendland heutzutage ein deutliches Zeichen für die Zugehörigkeit der Getreuen Amors im Abendland zu "einer Elite, die zu den drei Zweigen der abrahamschen Tradition gehört", ist, deren Ethik, "dieselben Wurzeln hat und dieselbe Horizonthöhe anvisiert".

Es stellt sich somit eine letzte Frage: "Die Getreuen Amors, und zwar die des Abendlandes und die des Iran, die einander in dieser Religions- und Schicksalsgemeinschaft angenähert sind, lassen uns zumindest, den groben Weg, auf den sie sich alle – Mystiker, Dichter und Philosophen – begeben haben, besser erkennen. Stellt man sich die Frage, ob der Weg noch eine andere als eine historische Bedeutung für die Umstände unserer eigenen historischen Gegenwart hat?" Henry Corbin merkt an, dass "es keine allgemeine Antwort noch ein theoretisches Programm zu dieser Art Frage gibt". Es gibt jedoch eine Antwort, die sich heute im Abendland direkt aus dem Vorhandensein der Bewegung der Getreuen Amors selber ergibt, aus einer Tradition also, die lebendig geblieben ist und die in ihren Grundzügen eine Tradition des Morgen- und Abendlandes bleibt.


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