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Dante Alighieri

Maler und Bildhauer

Dichter und Philosophen

Fedeli d'Amore  

Dante Alighieri

(Florenz 1265 - Ravenna 1321)

Sein Leben

Als Sohn des Alaghiero degli Alaghieri (die Schreibweise Alighieri, die von Boccaccio eingeführt wurde, ist wahrscheinlich falsch) und der Bella (Tochter des Durante degli Abati?) ist Dante dem guelfisch gesinnten Florentiner Stadtadel zuzuordnen, wenngleich seine Familie väterlicherseits wahrscheinlich von dem berühmten Cacciaguida degli Elisei abstammt, der der Legende nach zu den römischen Gründervätern von Florenz gehörte.
Über die Kinder- und Jugendzeit und die ersten Studien Dantes ist kaum etwas bekannt. Es wird angenommen, dass er Musik und Malerei studierte, er gibt jedoch an, sich die Dichtkunst selbst angeeignet zu haben. Er hat möglicherweise 1287 die berühmte Universität von Bologna besucht. Im Gesang XV von der Hölle würdigt er seinen ersten Lehrmeister Brunetto Latini, Autor der Enzyklopädie Trésor. Doch auch verschiedene Freundschaften und die Liebe waren Quelle der Inspiration. So zum Beispiel die Freundschaft, die ihn mit Guido Cavalcanti verband, dem er das Werk Vita nuova (Neues Leben) widmete, oder mit Lapo Gianni und anderen bedeutenden Florentiner Dichtern des gemeinsam gegründeten avantgardistischen Stils "dolce stil nuovo"; und später auch mit Cino da Pistoia. Und die Liebe, die er für Beatrice empfand und deren Identität er in seinem Werk zu verschleiern suchte, von der Zeitzeugen jedoch bestätigen, dass sie nicht nur als literarische Fiktion Dantes sondern de fakto als historische Person existiert hat. Es handelt sich um die Frau, die Dante vom Vita nuova bis zur Göttlichen Komödie unter dem Namen Beatrice verehrt, Tochter des Folco Portinari und Frau des Simone dei Bardi - die für diese Frau empfundene höfische Liebe, deren Tradition er als Vertreter der Fedeli d’Amore (Getreuen Amors) fortführt, schloss einen ehelichen Bund mit der Verehrten aus - sie starb 1290.
Seine aristokratische Konzeption der Dichtung und das Festhalten an den Grundsätzen der höfischen Liebe belegen die Faszination, die Dante für die Ideale und Riten des Ritterstands hegte. Die Kämpfe der Stadt Florenz gegen Arezzo und die anderen Städte der Toskana, in denen die Ghibellinen an die Macht gekommen waren, bieten ihm schon bald Gelegenheit, seine Rittertugenden im Kampf unter Beweis zu stellen, so nahm er an der Schlacht von Campaldino und (1289) an der Einnahme der Burg Caprona (bei Pisa) teil.
Nach dem Tod von Beatrice widmete er sich intensiv der Philosophie (Cicero, Boece) und besuchte die Theologieschulen der Dominikaner von Santa Maria Novella (Vorlesungen der Werke des Aristoteles, kommentiert durch die Kirchenlehrer Albert der Grosse und den hl. Thomas) und der Franziskaner von Santa Croce (San Bonaventura). Dennoch nahm er auch weiterhin aktiv am offiziellen Leben des herrschenden Adelsstandes teil: 1294 nahm er so als einer de Vertreter des Adelsstandes am Empfang des jungen Prinzen Carlo Martello in Florenz teil, mit dem ihn später eine Freundschaft verband.
Zwischenzeitlich hatte er sich mit Gemma Donati vermählt, die ihm die folgenden drei und wahrscheinlich sogar vier Kinder schenkte: Pietro und Iacopo, die zu den ersten Kommentatoren der Göttlichen Komödie zählten, Antonia (die später in ein Kloster in Ravenna als Schwester Beatrice eintrat und von Boccaccio 1350 als Botschafter von Florenz ? beehrt wird) sowie evtl. Giovanni.
Ab 1295 nahm Dante aktiv am politischen Leben von Florenz teil, was ihm letztendlich die Verbannung ins Exil brachte. Dante musste sich nach dem Sieg des, "Popolo" in Florenz, um sich politisch betätigen zu können, in eine der Zünfte einschreiben, und er wählte die Zunft der Ärzte und Apotheker, wozu ihn seine philosophische Vorbildung berechtigte, denn seit der "Ordinamenti della Giustizia" (1293) deren geistiger Vater der Reformer Giano della Bella war, durften keine Mitglieder adliger Sippen (grandi) an der Regierung teilnehmen. Nach der Verbannung von Giano 1295 verabschiedete eine für die grandi günstige Signoria ein Gesetz, das die Ordinamenti abmilderte, so dass wieder alle Bürger einschl. Mitgliedern des Adelsstandes an der Regierung teilnehmen konnten, sofern sie Mitglied einer Zunft waren. Aber nun splittete sich die Gesellschaft der Stadt Florenz in verschiedene politische Fraktionen und soziale Klassen, die da wären: der alte feudale Adelsstand, der sich gegen die Rechtmäßigkeit mit Gewalt auflehnen wollte; das neue Bürgertum des Handels und Gewerbes, das popolo grasso, vertreten durch die Arti Maggiori; und die Handwerker bzw. popolo minuto, vertreten durch die Arti Minori die bereit waren, sich mit den demokratischen Strömungen des popolo grasso zusammenzuschließen, um dem Machtmissbrauch der grandi-Familien entgegenzuwirken. Ab 1295 bildeten sich um die Familien Cerchi und Donati zwei verschiedene Lager: Die Bianchi (Weißen) vereinten auf der einen Seite einen Teil der Feudalaristokratie und Mitglieder des Bürgertums, die auf eine demokratische Regierung hofften, sowie die Handwerker; Die Neri (Schwarzen) auf der anderen Seite umfassten die Mehrheit der grandi-Familien und den antidemokratischen Teil des popolo grasso. Als Papst Bonifaz VIII sich für die Schwarzen einsetzte, um seinen Einfluss in der gesamten Toskana auszubauen, wendete sich ein Grossteil des popolo grasso, aus Angst vor einer Exkommunion und ihren ruinösen Folgen allmählich vom Cerchi-Lager ab, die sich nunmehr selbst über die weitere Vorgehensweise nicht mehr sicher waren. Es ist wohl eben diese Einmischung des Papstes in die Angelegenheiten der Stadt Florenz, die Dante zu einer Annäherung an die Weißen bewegte, nachdem er einige Zeit lang versucht hatte, unparteiisch zu bleiben, war er doch hinsichtlich des adligen Lagers hin und her gerissen: einerseits hegte er eine Nostalgie für eine alte feudale Welt, andererseits empfand er deren Gewalt abstoßend und unrechtmäßig. Sein Handeln zielte seither zunehmend auf die Verteidigung einerseits der Trennung von Kirche und Regierung (und auf das Ideal eines zu evangelischer Armut konvertierten Klerus) und andererseits einer herrschenden Klasse, die ihre Stellung und Noblesse nicht ihrer Geburt, sondern ihrem Wissen und ihren Fähigkeiten verdankt. Zunächst war er Mitglied im Rat des Capitano del Popolo (1295-1296), dann im Rat der Hundert (1296) und einem weiteren der beiden Räte des Capitano (1297). Im Mai 1300 war er in diplomatischer Mission in San Gimignano und vom 15. Juni bis 15. August 1300 amtierte er als Mitglied des Priorats, dem höchsten Gremium der Stadt Gemeinsam mit anderen politischen Vertretern geriet er offen in Konflikt mit Bonifaz VIII, als sie es ablehnen, ein durch ihre Vorgänger erlassenes Urteil gegen drei Florentiner Bankiers aufzuheben, die verdächtigt waren, Florenz dem Papst ausliefern zu wollen.
Dante vertrat im Rat der Hundert seine unnachgiebige Politik gegenüber den Einmischungen des Papstes. 1301 war er Mitglied einer dreiköpfigen Gesandtschaft nach Rom, um die Absichten des Papstes Bonifaz VIII hinsichtlich des Einsatzes Karls von Valois in Erfahrung zu bringen, den der Papst kurz zuvor gerufen hatte, um ihn bei der Wiedereroberung des von den Anjou verlorenen Siziliens und zur Lösung des Konflikts in Florenz zu unterstützen. Der Papst schickte die beiden anderen Gesandten mit vagen Versprechungen nach Florenz zurück und hielt Dante unter verschiedenen Vorsätzen in Rom fest. Mit fatalen Folgen: entgegen der getroffenen Vereinbarungen war Karl von Valois bei Wiedereintreffen Dantes in Florenz bereits in die Stadt eingezogen, und die mit ihm aus der Verbannung zurückkehrenden Schwarzen hatten mit Gewalt die Macht wieder an sich gerissen und aus Rache Hunderte ihrer Gegner in die Verbannung geschickt. Das Einleiten eines Ausnahmeverfahrens ermöglicht es den neuen Herrschern, eine Untersuchung über die bereits rechtmäßig abgeschlossene Amtszeit Dantes zu eröffnen, im Rahmen derer sie fälschlicherweise eine Veruntreuung von Geldern feststellen und ihn zum lebenslangen Ausschluss von allen öffentlichen Ämtern, einer Geldstrafe und zwei Jahren Exil verurteilen. Da Dante sich von Florenz fernhielt und die Strafe nicht bezahlte, wurde er am 10. März 1302 für den Fall seiner Rückkehr in die Stadt zum Tod durch Verbrennung verurteilt. Er sollte jedoch nie wieder nach Florenz zurückkehren.

Zunächst versuchte er vergebens, gemeinsam mit einigen anderen Weißen im Exil gewaltsam nach Florenz zurückzukehren und verteidigt deren Anliegen in einem Schreiben an den Kardinal Niccolo da Prato, der in ihrem Namen beim neuen Papst, Benedikt XI, fürsprechen sollte. Doch das Fehlschlagen dieser Fürsprache und die endgültige Niederlage der Weißen in La Lastra (1304), einer Schlacht, an der sich Dante weigert, teilzunehmen, bestätigen ihn nur weiter in seiner wachsenden Verachtung für seine ehemaligen Mitstreiter im Exil und in seiner Überzeugung, ganz allein da zu stehen "dass du dich allein dir selbst zur Partey gemacht hast" (Paradies, XVII). Er führt sodann ein sehr unstetes Leben, über dessen Etappen kaum etwas bekannt ist. Mit Sicherheit weilte er jedoch in Verona bei Bartolomeo Della Scala, in Venedig, Bologna und in der Lunigiana (1306) bei den Grafen Malaspina sowie in Lucca. Es ist bekannt, dass er sich 1307 in Paris aufhielt, und man geht davon aus, dass er dort Jacques de Molay, den letzten Großmeister des Templerordens, kurz vor seiner Festnahme traf. Man weiß nicht genau, aus welchem Grund dieses Treffen zu Stande kam, es scheint jedoch, als ob es mit der Zugehörigkeit Dantes zum Orden der Fedeli d’Amore (Getreuen Amors) zusammenhing. Aus dieser Zeit stammen auch seine Schreiben an Cino da Pistoia und Moroello Malaspina, sowie jenem, heute verschollenen (Popule meus, quid feci tibi?), in denen Dante über die geistig-moralische Würde seiner in Arbeit befindlichen Werke (Il Convivio und De vulgari eloquentia) die Wertschätzung durch seine Mitbürger zurückzugewinnen sucht.

Wenngleich einige Kommentatoren die Entstehung der ersten Gesänge der Hölle dem Zeitraum 1306-1308 zuschreiben, hat doch die zugleich prophetische wie apokalyptische Vision der Geschichte, die sich in der Göttlichen Komödie und insbesondere im Paradies abzeichnet, ihren Ursprung in einem für Dante gravierenden politischen Erlebnis: die Krönung des Luxemburgers Heinrich VII zum Kaiser, in den er all seine Hoffnung zur Wiederherstellung der Moral und politischen Ordnung in Florenz, Italien und für die gesamte Menschheit gesetzt hatte, sowie dessen anschließende Niederlage und Tod. Als Heinrich VII (1310) seine Absicht ankündigte, sich in Rom krönen zu lassen, unterstützte ihn Dante entgegen der Haltung des Papstes und der französischen Monarchie, die Heinrich VII feindlich gesinnt waren und verfasst Schreiben von bisher ungekanntem Eifer, um seine Verbundenheit mit ihm hinsichtlich seiner Vorhaben gegen die italienischen Machthaber und Florentiner Stadtherren auszudrücken. Er wendet sich schließlich direkt an den Kaiser, um ihn aufzufordern, die Florentiner Widersacher mit Waffengewalt niederzuschlagen. Mit dem Ergebnis, dass Dante von der Amnestie, die Florenz angesichts der nahenden kaiserlichen Truppen für seine Exilanten erließ, ausgeschlossen wurde. Der Tod Heinrichs 1313 setzte den großen Visionen Dantes ein jähes Ende. Er zog sich daraufhin ganz in seine dichterische Arbeit zurück, trat jedoch 1314 noch einmal anlässlich des Todes Clemens V vor den im Konklave versammelten italienischen Kardinälen in Erscheinung. 1315 lehnte er in seinem Schreiben An einen Florentiner Freund ein erneutes, von ihm als Dichter und Bürger als schmählich empfundenes Angebot seiner Vaterstadt ab, bei Zahlung einer Geldbuße und Leistung einer öffentlichen Abbitte nach Florenz zurückkehren zu dürfen. Als einige Monate später noch eine Amnestie erlassen wurde, erscheint er auf die Vorladung hin gar nicht erst: Seine Verurteilung zum Tode wird erneuert und erstreckt sich nunmehr auch auf seine Kinder. Zu diesem Zeitpunkt lebte er in Verona unter dem Schutz von Cangrande Della Scala. Danach ging er irgendwann an den Hof von Guido Novello da Polenta nach Ravenna. Die ersten Abschriften des Inferno und des Purgatorio, die bereits in ganz Italien im Umlauf waren, verschafften ihm schon bald höchstes Ansehen, wie dies beispielsweise 1319 aus dem lateinischen Briefwechsel (Egloghe 1 und 2) mit Giovanni Del Virgilio von der Universität Bologna hervorgeht. Dieser schlägt ihm auch vor, nach Bologna überzusiedeln, doch Dante lehnt es ab, Ravenna zu verlassen, da er nur als ein Dichter der Volkssprache in Erinnerung behalten werden wollte. 1320 las er in einer Kirche in Verona seine Abhandlung Quaestio de aqua et terra, die sein außerordentlich umfangreiches wissenschaftliches und philosophisches Wissen belegte. Am 14. September 1321 starb er schließlich nach der Rückkehr von einer Auftragsreise nach Venedig in Ravenna.

Dante und die Templer

1318 vollendet Dante Die Göttliche Komödie, in der er an mehreren Stellen auf die Templer, ihr Martyrium und ihr Wiederauftauchen anspielt. So zum Beispiel in Paradiso (Gesang XXX), als Beatrice im Empyreum von "einer Gesellschaft in weissen Kleidern" umgeben und geschützt ist, bei der es sich um niemand anderen als die Tempelritter handelte, die an ihrem edlen weißen Umhang mit einem roten Tatzenkreuz auf der Schulter zu erkennen waren. Und wenn sich Dante in den letzten Kreisen des Paradiso vom hl. Bernhard von Clairvaux führen lässt (Gesang XXXII), dann liegt dies an dessen enger Beziehung zum Templerorden. Im Jahre 1128, also 10 Jahre nach der Gründung des Ordens, fand das Konzil von Troyes statt, auf dem Bernhard von Clairvaux die Ordensregeln verfasste (jedoch erst 1131 endgültig fertigstellte). Bernhard von Clairvaux kommentiert diese Ordensregeln daraufhin in seiner Abhandlung De laude novae militiae in der er in meisterhafter Rhetorik die Ziele und Ideale der christlichen Ritterschaft beschrieb, die er als "Miliz Christi" bezeichnete, eine Bezeichnung die man auch oft in den Schriften der Vertreter der Fedeli d’Amore wieder fand, zu denen auch Dante gehörte.
Im Purgatorio (Gesang XXVII) erinnert sich Dante daran, wie Jacques de Molay und Geoffroy de Charnay am 18. März 1314 in Paris auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden: "Auf meine ringende Hände beugte ich mich nun hervor. So sah ich ins Feuer. Und hier stellte ich mir mit der lebhaftesten Einbildung alle die Menschen vor, welche ich ehedem hatte lebendig verbrennen sehen." Diese beiden Großmeister des Templerordens, die auf Order des Königs Philippes des Schönen gefangen genommen worden waren, wurden durch die Inquisition des Papstes Clémens V zu Unrecht der Ketzerei bezichtigt. Wie die Templerritter, die in diesem Papst den Antichrist sahen, schrieb auch Dante in seinem Inferno (Gesang XIX): "Denn nach ihm wird von Morgen her ein mit weit häßlichern Unthaten befleckter, ein gesetzloser Hirte, kommen […]Ein neuer Jason wird er seyn, von dem man in den Maccabäern lieset, Und so wie diesem sein König sich gefällig erwies, so wird sich gegen jenen derjenige verhalten, welcher Frankreich beherrschet." Durch die Verwendung der biblischen Passage des zweiten Buchs der Makkabäer (4:7-9) wo erklärt ist, wie Iason das Pontifikat widerrechtlich übernimmt, indem er dem König Antiochus eine große Summe Geld zukommen lässt, spielt Dante eindeutig auf die Art und Weise an, mit der Clemens V zu seinem päpstlichen Amt gelangte, indem er nämlich einen verräterischen Pakt mit dem französischen König Philipp dem Schönen schloss. Den Dante wiederum in seinem Purgatorio (Gesang XX) mit Pilatus vergleicht: "Alles dieses befriedigt ihn noch nicht, jenen neuen Pilatus. Widerrechtlich und grausam sehe ich ihn sogar im Tempel rauben und morden."

Durch die häufige Verwendung esoterischer Symbole in ihren Werken erinnern Dante und die anderen Vertreter der Fedeli d’Amore an ihre Verbundenheit zum Templerorden und dessen ritterlichen Idealen und esoterischen Gesinnung, die es ihm erlaubt hätten, mit den Muselmanen friedliche Beziehungen zu pflegen. So verwendete Dante zum Beispiel oft die heilige Ziffer 9 -Symbol der Dreifaltigkeit: as Entsprechung von Geist, Seele und Körper und deren jeweils 3 Aspekten und 3 Prinzipien. Diese Zahl ist auch für die Templer von hoher Symbolhaftigkeit, denn sie erinnert an die 9 Gründer des Ordens und ihre 9 Provinzen des Tempels im Abendland.

Und da Dante den Papst und den König als ihrer Macht nicht würdig erachtete, träumte er davon, eine dritte Macht in Italien zu etablieren: die Ritterschaft in ihrem spirituellen Sinne. In diesem Sinne war er ein mutiger und wahrhaftiger Templer und die Tatsache, dass er ein Vertreter des Fede Santa und der Fedeli d’Amore ist, ist dafür der beste Beweis. Die Fede Santa, in der Dante den Rang des Kadosh inne hatte, beruhte auf dem Glauben der Fedeli d’Amore (Getreuen Amors) und vor allem auf dem der Templer. Diese Bezeichnung der Mitglieder als "Heilige" (Kadosh bedeutet "heilig" auf hebräisch) ergibt sich aus der Bedeutung, die Dante in seiner Göttlichen Komödie den "Himmeln" verleiht– mit den 9 "Himmeln" bezeichnet er Rangstufen, die zur "Heiligen Erde" oder "Erde der Heiligen" führen - sie ist ähnlich aufzufassen wie zahlreiche andere Bezeichnungen für Mitglieder von Orden und Bruderschaften wie der Bruderschaft der Reinheit, der Katharer, Sufis, Ikhwan-es-Safa, etc.
Im Wiener Museum ist eine Medaille mit dem Kopf Dantes ausgestellt, ein Werk von Pisanello, dem Maler und Medailleur mit den 7 Tugenden. Die Medaillen dieses großen Künstlers galten als Garant für die Unsterblichkeit des Abgebildeten: die feinen Züge des Portraits auf der Vorderseite brachten die Individualität und die Charaktereigenschaften der Person zum Ausdruck, und die Allegorie auf der Rückseite vervollständigte als symbolträchtige Darstellung die Beschreibung der Person. Auf der Rückseite von Dantes Medaille erscheint die merkwürdige, unterschiedlich gedeutete Buchstabenfolge: "F.S.K.I.P.F.T.". Einige Fachkreise vertreten die Meinung, diese Buchstaben stünden für die sieben, Pisanello wichtigen Tugenden: Fides, Spes, Charitas, Justitia, Prudentia, Fortitudo, Temperantia, wenngleich im Lateinischen die Schreibweise Karitas mit „K“ nicht existiert, sondern sich das Wort mit „C“, also Charitas schreibt. René Guénon hingegen ist der Auffassung, die Buchstaben stünden für "Fidei Sanctae Kadosh Imperialis Principatus Frater Templarius". Durch die Bezeichnung Dantes als Tempelbruder ("Frater Templarius") und "Fidei Sanctae" ist diese Medaille ein weiterer Beweis für die enge Verbindung Dantes zu den Templern und spielt zudem darauf an, dass die Mitglieder des Kreises der Fedeli d’Amore wohl die einzigen und wahrhaftigen Verfechter der geistigen und moralischen Werte des Tempelordens nach dessen offizieller Auflösung im Jahre 1312 waren.

Seine Werke

Die von der Liebe inspirierten Rime (Reime) aus Dantes frühester Schaffensphase belegen seine frühe Beherrschung der wichtigsten Formen der Dichtkunst seiner Zeit. Neben den, später ins Vita nuova(Neues Leben) hineingearbeiteten Gedichten, umfassen sie ca. dreißig Kompositionen, die von zwei Tensons mit Dante da Maiano bis zum Sonett Un di si venne a me Malinconia reichen. Dante vertritt in ihnen die ritterlichen und höfischen Ideale der provenzalischen Dichtung, jedoch übertragen auf die bürgerlichen Strukturen der Gemeinschaft und gefiltert durch die jüngste literarische Tradition Italiens der Volkssprache unter Einflüssen: der sizilianischen Dichterschule, Guittone d'Arezzo und des "dolce stil nuovo". Mit der dichterischen Virtuosität und ästhetischen Anmut seiner Kanzone, Balladen und Sonette nähert sich Dante in der Tat zunehmend dem "dolce stil nuovo", indem er die mythisch-idealistisierte höfische Amor-Lehre ausbaut und von Cavalcantis pessimistischer Grundhaltung zur Schicksalhaftigkeit der Liebe Elemente für die tragische Gestaltung von E'm'incresce di me und Lo doloroso amor) verwendet und ihn anschließend durch den Einfluss des Dichters Guido Guinizelli auf persönlichere Weise und in verstärkter Anwendung der Erzählkunst vervollkommnet.

Die Struktur des Werks Vita nuova (Neues Leben), dessen Text aus einem erzählenden, in Prosaform geschriebenen Kommentar besteht, der eine Reihe von später eingefügten Sonetten und Kanzonen verbindet, ist in der Dichtung ein Novum. Zudem trägt das Werk wahrhaftige autobiografische Züge in der Darstellung der Jugendliebe Dantes. Die Liebe erscheint darin als eine sich über Zeit und Raum erstreckende Erfahrung, als überragendes spirituelles Abenteuer und Grundlage jeglicher Poesie.

Die von Dante in Vita nuova erzählte Liebesgeschichte hat in der Tat einen richtigen Ablauf und bedient sich zahlreicher Temporaladverbien wie: "dann", "danach", "nachdem", etc. Die Zeit spielt überhaupt, ebenso wie die Unwiederbringlichkeit der Vergangenheit, im gesamten Werk eine wichtige Rolle, die mit dem Tod von Beatrice (XXIX) ihren Höhepunkt nimmt, der den Dichter in geistige und sentimentale Verwirrung stürzte. Und auch die Orte, wenngleich sie nicht genau bezeichnet werden, (nicht Florenz, sondern Stadt; nicht Arno, sondern der Fluss, etc.) stellen eine stabile und präzise Figur dar. Zudem sind die Zeitdauer und die Umstände der Liebesgeschichte über sprachliche Mittel und Zahlenmythik als Zeichen der Transzendenz gestaltet. Beatrice ist das Sinnbild himmlischen Heils. Der Gruß, den sie dem Dichter entgegenbringt, ist Unterpfand des Grußes ihrer Seele. Sie erscheint ihm das erste Mal im Alter von neun Jahren, das zweite Mal neun Jahre später etc.: "Sie ist, gleichnishaft gesprochen, selber die 9, deren Wurzel die heilige Dreifaltigkeit ist." Dante erfährt somit durch die Liebe mehr noch als eine Triebkraft und Inspiration, sondern die Daseinsberechtigung seiner Dichtung selbst, welche sich deutlich von den dichterischen Anfangswerken seiner Jugend abhebt. Seine Glückseligkeit als Liebender kommt in seiner Sprache zum Ausdruck: "Meine Glückseligkeit ist in diesen Worten, die meine Dame lobpreisen" (XVIII); Die Glückseligkeit der Lobpreisung ist zugleich die Lobpreisung der Glückseligkeit (Beatrice). Doch wenngleich der Aufstieg der literarischen und himmlischen Gestalt Beatrice in das Paradies lediglich der Vollendung ihrer symbolischen Figur gleichkommt, führt ihr irdischer Tod doch dazu, dass sie für den in tiefe Trauer gestürzten, verzweifelten Dichter ihre göttliche Botschaft verliert. In der Tat hat die neue weibliche Figur (die "donna gentile"), die am Ende des Werks Vita nuova erscheint, weniger die Rolle eines schlechten Ersatzes für Beatrice (denn Beatrice ist unersetzbar) als vielmehr die Rolle einer Tröstenden. Die neue Liebe ist vor allem eine Liebe zu sich selbst; Er wird somit weniger Beatrice untreu als der göttlichen Offenbarung, deren Botschafterin sie war und zu der Dante letztendlich wieder findet. Nämlich in seinem Werk Göttliche Komödie, wo Dante über Beatrice sagt "was nie sonst über eine gesagt wurde". Indem er über seine Liebe zu Beatrice schreibt, dass: "Liebe die Sonne und alle Sterne beweget".

Doch diese Lobpreisung kommt erst viel später in seinem Leben, denn nach seinem lyrischen Werk Vita nuova reflektiert Dantes Poesie zunächst erst einmal seine tiefe moralische und geistige Krise. Es handelt sich um eine Phase von sentimentaler Abkehrung ("traviamento") vom philosophischen Zweifeln, von politischen und formell wissenschaftlichen Verpflichtungen des Dichters, die des Dichters Odyssee im Exil ankündigen. Das dichterische Schaffen Dantes entwickelte sich daraufhin in drei Richtungen: Zum einen ab 1293 hin zu den allegorischen und doktrinären Reimen (Rime), in denen Dante durch seine mythische Liebe zu der Edelfrau "donna gentile" Symbol der Philosophie und harmonische Verkörperung von Schönheit und Wahrheit zugleich die idealistische Amor-Lehre wie auch die stilistischen Konventionen des "dolce stil nuovo" sprengte; zum anderen bezeugt das gespannte Verhältnis zu Forese Donati (1293-1296) und der Austausch an karikaturistische Ausmaße erreichenden Beleidigungen und Unterstellungen zwischen beiden (Anspielung auf Armut, Diebstahl, Unfähigkeit als Ehemann, etc.) das Verlangen Dantes, seiner Ausdrucksweise und sprachlicher Virtuosität neue Dimensionen zu verleihen und die mittelalterlichen Schreibtraditionen durch den „stile comico“ zu bereichern; Und schließlich (ab 1296) hin zu den "rime petrose" (Steinerne Gedichte), die sich durch einen ungewöhnlich rauen und harten Stil auszeichnen, wie er vom großen provenzalischen Trobadour Arnaut Daniel geprägt worden war, der die Qualen der Liebe mit steinerner Eisigkeit dramatisierte.

Die letzten Rime (sieben und evtl. acht) von Dante stammen aus den ersten Jahren seines Exils. Die von Bitterkeit und Niederlage geprägten Reime reflektieren mal die schmerzliche Erkenntnis der Fatalität der ohne eigenes Verschulden eingetretenen Lage und mal die Ohnmächtigkeit des Rechtschaffenen im Exil gegenüber Korruption und Falschheit. Schließlich gibt der gereifte Dante vorübergehend die Dichtkunst auf, um moralisch inIl Convivio(Das Gastmahl) und literarisch in De vulgari eloquentia (Über das Dichten in der Volkssprache) über seine gemachte Erfahrung Bilanz zu ziehen und die theoretischen Grundlagen für sein künftiges Schaffen zu legen.

Il Convivio (Das Gastmahl), das zwischen 1304 und 1307 entstand, sollte ursprünglich 15 Bücher umfassen: Das erste, eine Einführung und die 14 anderen Kommentare zu 14 Kanzonen von "Tugend und Liebe". Es entstanden jedoch nur vier Bücher. Das Werk richtet sich an "Prinzen, Barone, Ritter und andere Edelmänner und –frauen", die zu einem idealen Gastmahl der Wissenschaft und Tugend geladen sind. Als Neue Nikomachische Ethik wird in Il Convivio neben der kirchlichen Kultur eine moderne weltliche Kultur geschaffen, die auf einer philosophischen Spekulation beruht und das Handeln und die Strukturen der Politik zu modernisieren sucht. Daher rührt die hohe Bedeutung, die Dante (Buch I) der Abhandlung seines Werkes in der Volkssprache beimisst und nicht, wie für wissenschaftliche Werke sonst üblich, auf Lateinisch. Doch neben diesem rein praktischen Aspekt (denn das Publikum, an das er sich wenden wollte, war des Lateinischen nicht mächtig) kam es Dante darauf an, im Zuge der Gründung der italienischen Wissenschaftsprosa den Reichtum der Strukturen und des Ausdrucks der Volkssprache aufzuzeigen. Im Buch II beschreibt Dante, nachdem er allegorisch den spirituellen Leitfaden formuliert hat, der ihn von Beatrice zur "donna gentile" führt und ihn somit vom höfischen Ideal zum philosophischen Ideal bringt, nach scholastischen Vorstellungen die Hierarchie der Himmel, Wissenschaften und Tugenden, die das aktive und kontemplative Leben des Menschen bestimmen.   Buch III - eine engagierte Huldigung der Philosophie - wird unter gelegentlichem Verstoß gegen die thomistische Orthodoxie, die Vereinbarkeit von Glauben und Wissen sowie von Wissenschaft und Erkenntnis belegt. Im Buch IV erörtert Dante die komplexe Frage der wahren Adels: Demnach handelt es sich hierbei nicht um ein vererbtes Privileg, sondern theologisch um die Perfektion jeder Sache entsprechend der Natur, die Gott für sie vorgesehen hat. Wahre Noblesse des Menschen zeigt sich in dessen geistig-moralischen Tugenden, die ihn über die Perfektion des aktiven und kontemplativen Lebens zur Glückseligkeit führen. Dante skizziert hier bereits die Theorie, die er später in seinem Werk Monarchia weiter entwickeln wird und die von der der kaiserlichen Macht vorbestimmten historischen Aufgabe handelt.

Das Traktat De vulgari eloquentia (Über das Dichten in der Volkssprache), welches zur gleichen Zeit wie Convivio entstand, wurde ebenfalls nicht vollendet. Diese Abhandlung über die Redegewandheit des Volkes sollte (nach den Absichten von Dante, der sein Werk jedoch vor Ende des 2. Buches abbrach) ein Kompendium über die Rhetorik und Stilistik und die Regeln und Techniken der poetischen Ausdrucksweise bilden, gemäß der mittelalterlichen Stilregeln, die von der Griechisch-Lateinischen Rhetorik übernommen worden waren (vom stile illustre bis zum stile tragico, vom stile comico bis zum stile umile). Das Traktat bezog sich jedoch wohl zudem auch auf die Prosadichtung. Das erste Buch widmet sich der Definition der "Volkssprache". Dante stellt zunächst die Volkssprache als eine, keinen festen Regeln unterliegende und von den Ammen gelernte Sprache der in der Schule gelehrten "Grammatik" und der für die Literatur verwandten Sprache - dem Latein - gegenüber Die Volkssprache ist um so edler und wertvoller, da sie im Gegensatz zum gelehrten Latein eine lingua naturalis ist. Um ihre Höherwertigkeit zu belegen, muss sie lediglich codifiziert werden. Damit dies gelingt, galt es jedoch erst einmal, sie zu definieren, denn die ursprünglich von Adam und Jesus gesprochene Sprache hatte sich seit Babel zu drei verschiedenen Sprachen entwickelt: Dem Griechischen, dem Germanischen und dem Romanischen, welches wiederum in die Sprachen lingua d'oc (gesprochen in Südfrankreich), lingua d'oïl (gesprochen in Nordfrankreich), und die lingua del si (Vorgänger des Italienischen) unterteilt war, wobei letztere wiederum 14 Dialekt-Gruppen (mit noch weiteren zahlreichen Unterdialekten) umfasste, die Dante nacheinander analysierte. Es gab für jede dieser Dialektgruppen Gründe für und gegen deren Auswahl als Modell, und Dante wollte sie nicht auf der Grundlage einer widernatürlichen Grammatik beurteilen, sondern auf der Grundlage eines modernen sprachwissenschaftlichen Systems unter dem Einfluss jüngster Dichtkunst der Sizilianischen Dichterschule, der "stilnovisti" und von Dante selbst. Im Buch II präzisiert Dante das literarische Anwendungsfeld für die von ihm definierte "volgare illustre" als jenes der kriegerischen Heldentaten, Lobpreisung der Liebe und der Tugenden sowie die eigenen Techniken entsprechend den rhetorischen Regeln der Epoche.

Und wenngleich die Epistole (Briefe und Sendschreiben), die zur gleichen Zeit wie Monarchia entstanden, vom eifrigen politischen Engagement Dantes zeugen und von seiner großen Hoffnung, die er in den neuen Kaiser Heinrich VII setzte, so bleibt doch sein Traktat (wie die in Latein verfassten Épistole) allein der theoretischen Abhandlung seines Sujets vorbehalten. Unter Weiterentwicklung der in Il Convivio bereits skizzierten Thesen belegt er im ersten Buch die Perfektion der Institution einer Weltmonarchie und deren Unerlässlichkeit für den Frieden und das Erdenglück für die Menschheit, und belegt er im zweiten Buch, dass das Imperium Romanum die historisch berechtigte Inkarnation einer Universalmonarchie ist. Im dritten Buch greift er von Averroès den Gedanken der eigenständigen weltlichen Macht gegenüber der religiösen Macht auf, die der Papst allein dafür nutzen darf, die Kirche in evangelische Armut zu führen.

Die Göttliche Komödie

Die als erstes Werk italienischer volkssprachlicher Dichtung erscheinende Komödie (der deren erste Kommentatoren den Titel Göttliche Komödie gaben) gilt seither für die italienische Literaturgeschichte als das "Ausgangswerk" (welches beispielsweise in der französischen Literatur nicht vorzufinden ist). Dante schuf dieses Werk als "Buch der Bücher" mit der apokalyptischen Perspektive des Endes der Geschichte an der Schwelle der Wiedergeburt der Menschheit. Er schuf es als Kompendium: der Rhetorik, Poesie, Moral, Politik, Geschichte, Philosophie, Wissenschaft und Theologie. In dieser Hinsicht wird der Titel Komödie (der im literarischen Sinn seiner Zeit gleichbedeutend für ein Versepos in dessen Mittelpunkt ein tragischer Held stand, das jedoch ein positives Ende fand, ein Versepos also, das sich vom "Bösen" zum "Guten" wendete, bzw. von der Hölle ins Paradies führte) dem allumfassenden Anspruch des Werks sowie dessen Ausdruck und Stil nur ungenügend gerecht, der die strengen Kategorien mittelalterlicher Rhetorik sprengte. Dante bevorzugt im Übrigen die Bezeichnung "Höchstheiliges Gedicht" (Paradies, XXVI), also die Suche und Offenbahrung einer transzendalen Ordnung über die Widersprüche der menschlichen Geschichte und die Vollendung dieser in der Ewigkeit. Vielmehr noch als in der meisterhaften Anwendung des "stile comico", der sich ans gemeine Volk wendet (siehe insbesondere unter "Malebolge", Hölle, XVIII-XXX), ist es der poetische wie kritische wie auch linguistische Gehalt der Göttlichen Komödie, in der sich – wie Sanguineti es formuliert - der wahrhaftige "Realismus" Dantes zeigt. Und in diesem Bestreben, die Gesamtheit der Realität und der Geschichte unter dem Licht der Transzendenz, vielmehr noch als unter der Führung durch den fiktiven Begleiter seiner Reise ins Jenseits, Vergil, aufzuzeigen, sucht Dante in der Bibel Inspiration, wie er es selbst in einem Schreiben an Cangrande Della Scala (1316-1317) erklärte, als er ihm das Paradies zusandte. Sein Ideal bestand darin, die Bedeutungstiefe der Biblischen Schrift und deren Polysemie zu erreichen. Daher zeichnet sich die Göttliche Komödie im Vergleich zu den bisherigen Werken Dantes, die noch den Regeln der mittelalterlichen allegorischen Dichtung unterlagen, durch einen schier grenzenlosen sprachlichen und semantischen Reichtum aus. Mit Ausnahme der allerersten Gesänge der Hölle wird die Darstellung nicht von der Symbolik resorbiert, doch bildet sich gerade zwischen der Darstellung und der Symbolik, entgegengesetzten Polen gleich, die eigentliche dichterische "Spannung" der Erzählung und Metaphorik.

Die aus 3 Mal 33 Gesängen (sowie einem Einführungsgesang), bestehende Göttliche Komödie berichtet von einer fiktiven Reise Dantes ins Jenseits im Jahre 1300, geleitet von den drei heiligen Frauen Maria, der heiligen Lucia und Beatrice. Die Reise beginnt in der Nacht vom Donnerstag zum Karfreitag und endet im Fegefeuer (Läuterungsberg als Vorstufe zum Paradies) am Mittwoch der Karwoche (im Paradies wird der Tag zur Ewigkeit und zählt nicht mehr). Nach der Unterweltfahrt des Eneas und des hl. Paul (wobei ersterer die Vorbestimmtheit des Römischen Reichs zu belegen suchte und der zweite in christlicher Mission unterwegs war) ist Dante der dritte Mensch, der das Jenseits bereist, um die korrupte Menschheit daran zu erinnern, dass die untrennbare Einheit von Kirche und Kaiserreich gottgewollt ist.

Die Hölle ist ein durch den Fall von Luzifer entstandener Trichter und besteht aus sich zum Erdmittelpunkt (dem Ort absoluter Dunkelheit und der Negation Gottes, denn Gott ist Licht) hin verjüngenden Kreisen. Das Zentrum des größten Kreises befindet sich direkt unter Jerusalem (Ort der Passion Christi). Die Hölle setzt sich aus 9 solcher terrassenförmig angeordneten Kreisen zusammen. An der auf der Erdkugel Jerusalem gegenüberliegenden Stelle befindet sich der Berg der Läuterung, der sich durch die durch den Sturz Luzifers zurückgedrängte Erde gebildet hat. Der sich aus dem Meer erhebende Läuterungsbergs (Purgatorio) besteht aus 7 Terrassen bzw. Ebenen, und geht an dessen Spitze in die Hochebene des irdischen Paradieses über, durch dessen 9 Himmel Dante und Beatrice bis ins Empyreum gelangen.

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