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Dante Alighieri |
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Dante Alighieri (Florenz 1265 - Ravenna 1321)
Sein Leben Als Sohn des Alaghiero degli Alaghieri (die Schreibweise Alighieri, die von Boccaccio eingeführt wurde, ist wahrscheinlich falsch) und der Bella (Tochter des Durante degli Abati?) ist Dante dem guelfisch gesinnten Florentiner Stadtadel zuzuordnen, wenngleich seine Familie väterlicherseits wahrscheinlich von dem berühmten Cacciaguida degli Elisei abstammt, der der Legende nach zu den römischen Gründervätern von Florenz gehörte. Zunächst versuchte er vergebens, gemeinsam mit einigen anderen Weißen im Exil gewaltsam nach Florenz zurückzukehren und verteidigt deren Anliegen in einem Schreiben an den Kardinal Niccolo da Prato, der in ihrem Namen beim neuen Papst, Benedikt XI, fürsprechen sollte. Doch das Fehlschlagen dieser Fürsprache und die endgültige Niederlage der Weißen in La Lastra (1304), einer Schlacht, an der sich Dante weigert, teilzunehmen, bestätigen ihn nur weiter in seiner wachsenden Verachtung für seine ehemaligen Mitstreiter im Exil und in seiner Überzeugung, ganz allein da zu stehen "dass du dich allein dir selbst zur Partey gemacht hast" (Paradies, XVII). Er führt sodann ein sehr unstetes Leben, über dessen Etappen kaum etwas bekannt ist. Mit Sicherheit weilte er jedoch in Verona bei Bartolomeo Della Scala, in Venedig, Bologna und in der Lunigiana (1306) bei den Grafen Malaspina sowie in Lucca. Es ist bekannt, dass er sich 1307 in Paris aufhielt, und man geht davon aus, dass er dort Jacques de Molay, den letzten Großmeister des Templerordens, kurz vor seiner Festnahme traf. Man weiß nicht genau, aus welchem Grund dieses Treffen zu Stande kam, es scheint jedoch, als ob es mit der Zugehörigkeit Dantes zum Orden der Fedeli d’Amore (Getreuen Amors) zusammenhing. Aus dieser Zeit stammen auch seine Schreiben an Cino da Pistoia und Moroello Malaspina, sowie jenem, heute verschollenen (Popule meus, quid feci tibi?), in denen Dante über die geistig-moralische Würde seiner in Arbeit befindlichen Werke (Il Convivio und De vulgari eloquentia) die Wertschätzung durch seine Mitbürger zurückzugewinnen sucht. Wenngleich einige Kommentatoren die Entstehung der ersten Gesänge der Hölle dem Zeitraum 1306-1308 zuschreiben, hat doch die zugleich prophetische wie apokalyptische Vision der Geschichte, die sich in der Göttlichen Komödie und insbesondere im Paradies abzeichnet, ihren Ursprung in einem für Dante gravierenden politischen Erlebnis: die Krönung des Luxemburgers Heinrich VII zum Kaiser, in den er all seine Hoffnung zur Wiederherstellung der Moral und politischen Ordnung in Florenz, Italien und für die gesamte Menschheit gesetzt hatte, sowie dessen anschließende Niederlage und Tod. Als Heinrich VII (1310) seine Absicht ankündigte, sich in Rom krönen zu lassen, unterstützte ihn Dante entgegen der Haltung des Papstes und der französischen Monarchie, die Heinrich VII feindlich gesinnt waren und verfasst Schreiben von bisher ungekanntem Eifer, um seine Verbundenheit mit ihm hinsichtlich seiner Vorhaben gegen die italienischen Machthaber und Florentiner Stadtherren auszudrücken. Er wendet sich schließlich direkt an den Kaiser, um ihn aufzufordern, die Florentiner Widersacher mit Waffengewalt niederzuschlagen. Mit dem Ergebnis, dass Dante von der Amnestie, die Florenz angesichts der nahenden kaiserlichen Truppen für seine Exilanten erließ, ausgeschlossen wurde. Der Tod Heinrichs 1313 setzte den großen Visionen Dantes ein jähes Ende. Er zog sich daraufhin ganz in seine dichterische Arbeit zurück, trat jedoch 1314 noch einmal anlässlich des Todes Clemens V vor den im Konklave versammelten italienischen Kardinälen in Erscheinung. 1315 lehnte er in seinem Schreiben An einen Florentiner Freund ein erneutes, von ihm als Dichter und Bürger als schmählich empfundenes Angebot seiner Vaterstadt ab, bei Zahlung einer Geldbuße und Leistung einer öffentlichen Abbitte nach Florenz zurückkehren zu dürfen. Als einige Monate später noch eine Amnestie erlassen wurde, erscheint er auf die Vorladung hin gar nicht erst: Seine Verurteilung zum Tode wird erneuert und erstreckt sich nunmehr auch auf seine Kinder. Zu diesem Zeitpunkt lebte er in Verona unter dem Schutz von Cangrande Della Scala. Danach ging er irgendwann an den Hof von Guido Novello da Polenta nach Ravenna. Die ersten Abschriften des Inferno und des Purgatorio, die bereits in ganz Italien im Umlauf waren, verschafften ihm schon bald höchstes Ansehen, wie dies beispielsweise 1319 aus dem lateinischen Briefwechsel (Egloghe 1 und 2) mit Giovanni Del Virgilio von der Universität Bologna hervorgeht. Dieser schlägt ihm auch vor, nach Bologna überzusiedeln, doch Dante lehnt es ab, Ravenna zu verlassen, da er nur als ein Dichter der Volkssprache in Erinnerung behalten werden wollte. 1320 las er in einer Kirche in Verona seine Abhandlung Quaestio de aqua et terra, die sein außerordentlich umfangreiches wissenschaftliches und philosophisches Wissen belegte. Am 14. September 1321 starb er schließlich nach der Rückkehr von einer Auftragsreise nach Venedig in Ravenna.
Seine Werke Die von der Liebe inspirierten Rime (Reime) aus Dantes frühester Schaffensphase belegen seine frühe Beherrschung der wichtigsten Formen der Dichtkunst seiner Zeit. Neben den, später ins Vita nuova(Neues Leben) hineingearbeiteten Gedichten, umfassen sie ca. dreißig Kompositionen, die von zwei Tensons mit Dante da Maiano bis zum Sonett Un di si venne a me Malinconia reichen. Dante vertritt in ihnen die ritterlichen und höfischen Ideale der provenzalischen Dichtung, jedoch übertragen auf die bürgerlichen Strukturen der Gemeinschaft und gefiltert durch die jüngste literarische Tradition Italiens der Volkssprache unter Einflüssen: der sizilianischen Dichterschule, Guittone d'Arezzo und des "dolce stil nuovo". Mit der dichterischen Virtuosität und ästhetischen Anmut seiner Kanzone, Balladen und Sonette nähert sich Dante in der Tat zunehmend dem "dolce stil nuovo", indem er die mythisch-idealistisierte höfische Amor-Lehre ausbaut und von Cavalcantis pessimistischer Grundhaltung zur Schicksalhaftigkeit der Liebe Elemente für die tragische Gestaltung von E'm'incresce di me und Lo doloroso amor) verwendet und ihn anschließend durch den Einfluss des Dichters Guido Guinizelli auf persönlichere Weise und in verstärkter Anwendung der Erzählkunst vervollkommnet. Die Struktur des Werks Vita nuova (Neues Leben), dessen Text aus einem erzählenden, in Prosaform geschriebenen Kommentar besteht, der eine Reihe von später eingefügten Sonetten und Kanzonen verbindet, ist in der Dichtung ein Novum. Zudem trägt das Werk wahrhaftige autobiografische Züge in der Darstellung der Jugendliebe Dantes. Die Liebe erscheint darin als eine sich über Zeit und Raum erstreckende Erfahrung, als überragendes spirituelles Abenteuer und Grundlage jeglicher Poesie. Die von Dante in Vita nuova erzählte Liebesgeschichte hat in der Tat einen richtigen Ablauf und bedient sich zahlreicher Temporaladverbien wie: "dann", "danach", "nachdem", etc. Die Zeit spielt überhaupt, ebenso wie die Unwiederbringlichkeit der Vergangenheit, im gesamten Werk eine wichtige Rolle, die mit dem Tod von Beatrice (XXIX) ihren Höhepunkt nimmt, der den Dichter in geistige und sentimentale Verwirrung stürzte. Und auch die Orte, wenngleich sie nicht genau bezeichnet werden, (nicht Florenz, sondern Stadt; nicht Arno, sondern der Fluss, etc.) stellen eine stabile und präzise Figur dar. Zudem sind die Zeitdauer und die Umstände der Liebesgeschichte über sprachliche Mittel und Zahlenmythik als Zeichen der Transzendenz gestaltet. Beatrice ist das Sinnbild himmlischen Heils. Der Gruß, den sie dem Dichter entgegenbringt, ist Unterpfand des Grußes ihrer Seele. Sie erscheint ihm das erste Mal im Alter von neun Jahren, das zweite Mal neun Jahre später etc.: "Sie ist, gleichnishaft gesprochen, selber die 9, deren Wurzel die heilige Dreifaltigkeit ist." Dante erfährt somit durch die Liebe mehr noch als eine Triebkraft und Inspiration, sondern die Daseinsberechtigung seiner Dichtung selbst, welche sich deutlich von den dichterischen Anfangswerken seiner Jugend abhebt. Seine Glückseligkeit als Liebender kommt in seiner Sprache zum Ausdruck: "Meine Glückseligkeit ist in diesen Worten, die meine Dame lobpreisen" (XVIII); Die Glückseligkeit der Lobpreisung ist zugleich die Lobpreisung der Glückseligkeit (Beatrice). Doch wenngleich der Aufstieg der literarischen und himmlischen Gestalt Beatrice in das Paradies lediglich der Vollendung ihrer symbolischen Figur gleichkommt, führt ihr irdischer Tod doch dazu, dass sie für den in tiefe Trauer gestürzten, verzweifelten Dichter ihre göttliche Botschaft verliert. In der Tat hat die neue weibliche Figur (die "donna gentile"), die am Ende des Werks Vita nuova erscheint, weniger die Rolle eines schlechten Ersatzes für Beatrice (denn Beatrice ist unersetzbar) als vielmehr die Rolle einer Tröstenden. Die neue Liebe ist vor allem eine Liebe zu sich selbst; Er wird somit weniger Beatrice untreu als der göttlichen Offenbarung, deren Botschafterin sie war und zu der Dante letztendlich wieder findet. Nämlich in seinem Werk Göttliche Komödie, wo Dante über Beatrice sagt "was nie sonst über eine gesagt wurde". Indem er über seine Liebe zu Beatrice schreibt, dass: "Liebe die Sonne und alle Sterne beweget". Doch diese Lobpreisung kommt erst viel später in seinem Leben, denn nach seinem lyrischen Werk Vita nuova reflektiert Dantes Poesie zunächst erst einmal seine tiefe moralische und geistige Krise. Es handelt sich um eine Phase von sentimentaler Abkehrung ("traviamento") vom philosophischen Zweifeln, von politischen und formell wissenschaftlichen Verpflichtungen des Dichters, die des Dichters Odyssee im Exil ankündigen. Das dichterische Schaffen Dantes entwickelte sich daraufhin in drei Richtungen: Zum einen ab 1293 hin zu den allegorischen und doktrinären Reimen (Rime), in denen Dante durch seine mythische Liebe zu der Edelfrau "donna gentile" Symbol der Philosophie und harmonische Verkörperung von Schönheit und Wahrheit zugleich die idealistische Amor-Lehre wie auch die stilistischen Konventionen des "dolce stil nuovo" sprengte; zum anderen bezeugt das gespannte Verhältnis zu Forese Donati (1293-1296) und der Austausch an karikaturistische Ausmaße erreichenden Beleidigungen und Unterstellungen zwischen beiden (Anspielung auf Armut, Diebstahl, Unfähigkeit als Ehemann, etc.) das Verlangen Dantes, seiner Ausdrucksweise und sprachlicher Virtuosität neue Dimensionen zu verleihen und die mittelalterlichen Schreibtraditionen durch den „stile comico“ zu bereichern; Und schließlich (ab 1296) hin zu den "rime petrose" (Steinerne Gedichte), die sich durch einen ungewöhnlich rauen und harten Stil auszeichnen, wie er vom großen provenzalischen Trobadour Arnaut Daniel geprägt worden war, der die Qualen der Liebe mit steinerner Eisigkeit dramatisierte. Die letzten Rime (sieben und evtl. acht) von Dante stammen aus den ersten Jahren seines Exils. Die von Bitterkeit und Niederlage geprägten Reime reflektieren mal die schmerzliche Erkenntnis der Fatalität der ohne eigenes Verschulden eingetretenen Lage und mal die Ohnmächtigkeit des Rechtschaffenen im Exil gegenüber Korruption und Falschheit. Schließlich gibt der gereifte Dante vorübergehend die Dichtkunst auf, um moralisch inIl Convivio(Das Gastmahl) und literarisch in De vulgari eloquentia (Über das Dichten in der Volkssprache) über seine gemachte Erfahrung Bilanz zu ziehen und die theoretischen Grundlagen für sein künftiges Schaffen zu legen. Il Convivio (Das Gastmahl), das zwischen 1304 und 1307 entstand, sollte ursprünglich 15 Bücher umfassen: Das erste, eine Einführung und die 14 anderen Kommentare zu 14 Kanzonen von "Tugend und Liebe". Es entstanden jedoch nur vier Bücher. Das Werk richtet sich an "Prinzen, Barone, Ritter und andere Edelmänner und –frauen", die zu einem idealen Gastmahl der Wissenschaft und Tugend geladen sind. Als Neue Nikomachische Ethik wird in Il Convivio neben der kirchlichen Kultur eine moderne weltliche Kultur geschaffen, die auf einer philosophischen Spekulation beruht und das Handeln und die Strukturen der Politik zu modernisieren sucht. Daher rührt die hohe Bedeutung, die Dante (Buch I) der Abhandlung seines Werkes in der Volkssprache beimisst und nicht, wie für wissenschaftliche Werke sonst üblich, auf Lateinisch. Doch neben diesem rein praktischen Aspekt (denn das Publikum, an das er sich wenden wollte, war des Lateinischen nicht mächtig) kam es Dante darauf an, im Zuge der Gründung der italienischen Wissenschaftsprosa den Reichtum der Strukturen und des Ausdrucks der Volkssprache aufzuzeigen. Im Buch II beschreibt Dante, nachdem er allegorisch den spirituellen Leitfaden formuliert hat, der ihn von Beatrice zur "donna gentile" führt und ihn somit vom höfischen Ideal zum philosophischen Ideal bringt, nach scholastischen Vorstellungen die Hierarchie der Himmel, Wissenschaften und Tugenden, die das aktive und kontemplative Leben des Menschen bestimmen. Buch III - eine engagierte Huldigung der Philosophie - wird unter gelegentlichem Verstoß gegen die thomistische Orthodoxie, die Vereinbarkeit von Glauben und Wissen sowie von Wissenschaft und Erkenntnis belegt. Im Buch IV erörtert Dante die komplexe Frage der wahren Adels: Demnach handelt es sich hierbei nicht um ein vererbtes Privileg, sondern theologisch um die Perfektion jeder Sache entsprechend der Natur, die Gott für sie vorgesehen hat. Wahre Noblesse des Menschen zeigt sich in dessen geistig-moralischen Tugenden, die ihn über die Perfektion des aktiven und kontemplativen Lebens zur Glückseligkeit führen. Dante skizziert hier bereits die Theorie, die er später in seinem Werk Monarchia weiter entwickeln wird und die von der der kaiserlichen Macht vorbestimmten historischen Aufgabe handelt. Das Traktat De vulgari eloquentia (Über das Dichten in der Volkssprache), welches zur gleichen Zeit wie Convivio entstand, wurde ebenfalls nicht vollendet. Diese Abhandlung über die Redegewandheit des Volkes sollte (nach den Absichten von Dante, der sein Werk jedoch vor Ende des 2. Buches abbrach) ein Kompendium über die Rhetorik und Stilistik und die Regeln und Techniken der poetischen Ausdrucksweise bilden, gemäß der mittelalterlichen Stilregeln, die von der Griechisch-Lateinischen Rhetorik übernommen worden waren (vom stile illustre bis zum stile tragico, vom stile comico bis zum stile umile). Das Traktat bezog sich jedoch wohl zudem auch auf die Prosadichtung. Das erste Buch widmet sich der Definition der "Volkssprache". Dante stellt zunächst die Volkssprache als eine, keinen festen Regeln unterliegende und von den Ammen gelernte Sprache der in der Schule gelehrten "Grammatik" und der für die Literatur verwandten Sprache - dem Latein - gegenüber Die Volkssprache ist um so edler und wertvoller, da sie im Gegensatz zum gelehrten Latein eine lingua naturalis ist. Um ihre Höherwertigkeit zu belegen, muss sie lediglich codifiziert werden. Damit dies gelingt, galt es jedoch erst einmal, sie zu definieren, denn die ursprünglich von Adam und Jesus gesprochene Sprache hatte sich seit Babel zu drei verschiedenen Sprachen entwickelt: Dem Griechischen, dem Germanischen und dem Romanischen, welches wiederum in die Sprachen lingua d'oc (gesprochen in Südfrankreich), lingua d'oïl (gesprochen in Nordfrankreich), und die lingua del si (Vorgänger des Italienischen) unterteilt war, wobei letztere wiederum 14 Dialekt-Gruppen (mit noch weiteren zahlreichen Unterdialekten) umfasste, die Dante nacheinander analysierte. Es gab für jede dieser Dialektgruppen Gründe für und gegen deren Auswahl als Modell, und Dante wollte sie nicht auf der Grundlage einer widernatürlichen Grammatik beurteilen, sondern auf der Grundlage eines modernen sprachwissenschaftlichen Systems unter dem Einfluss jüngster Dichtkunst der Sizilianischen Dichterschule, der "stilnovisti" und von Dante selbst. Im Buch II präzisiert Dante das literarische Anwendungsfeld für die von ihm definierte "volgare illustre" als jenes der kriegerischen Heldentaten, Lobpreisung der Liebe und der Tugenden sowie die eigenen Techniken entsprechend den rhetorischen Regeln der Epoche. Und wenngleich die Epistole (Briefe und Sendschreiben), die zur gleichen Zeit wie Monarchia entstanden, vom eifrigen politischen Engagement Dantes zeugen und von seiner großen Hoffnung, die er in den neuen Kaiser Heinrich VII setzte, so bleibt doch sein Traktat (wie die in Latein verfassten Épistole) allein der theoretischen Abhandlung seines Sujets vorbehalten. Unter Weiterentwicklung der in Il Convivio bereits skizzierten Thesen belegt er im ersten Buch die Perfektion der Institution einer Weltmonarchie und deren Unerlässlichkeit für den Frieden und das Erdenglück für die Menschheit, und belegt er im zweiten Buch, dass das Imperium Romanum die historisch berechtigte Inkarnation einer Universalmonarchie ist. Im dritten Buch greift er von Averroès den Gedanken der eigenständigen weltlichen Macht gegenüber der religiösen Macht auf, die der Papst allein dafür nutzen darf, die Kirche in evangelische Armut zu führen. Die Göttliche Komödie Die als erstes Werk italienischer volkssprachlicher Dichtung erscheinende Komödie (der deren erste Kommentatoren den Titel Göttliche Komödie gaben) gilt seither für die italienische Literaturgeschichte als das "Ausgangswerk" (welches beispielsweise in der französischen Literatur nicht vorzufinden ist). Dante schuf dieses Werk als "Buch der Bücher" mit der apokalyptischen Perspektive des Endes der Geschichte an der Schwelle der Wiedergeburt der Menschheit. Er schuf es als Kompendium: der Rhetorik, Poesie, Moral, Politik, Geschichte, Philosophie, Wissenschaft und Theologie. In dieser Hinsicht wird der Titel Komödie (der im literarischen Sinn seiner Zeit gleichbedeutend für ein Versepos in dessen Mittelpunkt ein tragischer Held stand, das jedoch ein positives Ende fand, ein Versepos also, das sich vom "Bösen" zum "Guten" wendete, bzw. von der Hölle ins Paradies führte) dem allumfassenden Anspruch des Werks sowie dessen Ausdruck und Stil nur ungenügend gerecht, der die strengen Kategorien mittelalterlicher Rhetorik sprengte. Dante bevorzugt im Übrigen die Bezeichnung "Höchstheiliges Gedicht" (Paradies, XXVI), also die Suche und Offenbahrung einer transzendalen Ordnung über die Widersprüche der menschlichen Geschichte und die Vollendung dieser in der Ewigkeit. Vielmehr noch als in der meisterhaften Anwendung des "stile comico", der sich ans gemeine Volk wendet (siehe insbesondere unter "Malebolge", Hölle, XVIII-XXX), ist es der poetische wie kritische wie auch linguistische Gehalt der Göttlichen Komödie, in der sich – wie Sanguineti es formuliert - der wahrhaftige "Realismus" Dantes zeigt. Und in diesem Bestreben, die Gesamtheit der Realität und der Geschichte unter dem Licht der Transzendenz, vielmehr noch als unter der Führung durch den fiktiven Begleiter seiner Reise ins Jenseits, Vergil, aufzuzeigen, sucht Dante in der Bibel Inspiration, wie er es selbst in einem Schreiben an Cangrande Della Scala (1316-1317) erklärte, als er ihm das Paradies zusandte. Sein Ideal bestand darin, die Bedeutungstiefe der Biblischen Schrift und deren Polysemie zu erreichen. Daher zeichnet sich die Göttliche Komödie im Vergleich zu den bisherigen Werken Dantes, die noch den Regeln der mittelalterlichen allegorischen Dichtung unterlagen, durch einen schier grenzenlosen sprachlichen und semantischen Reichtum aus. Mit Ausnahme der allerersten Gesänge der Hölle wird die Darstellung nicht von der Symbolik resorbiert, doch bildet sich gerade zwischen der Darstellung und der Symbolik, entgegengesetzten Polen gleich, die eigentliche dichterische "Spannung" der Erzählung und Metaphorik. Die aus 3 Mal 33 Gesängen (sowie einem Einführungsgesang), bestehende Göttliche Komödie berichtet von einer fiktiven Reise Dantes ins Jenseits im Jahre 1300, geleitet von den drei heiligen Frauen Maria, der heiligen Lucia und Beatrice. Die Reise beginnt in der Nacht vom Donnerstag zum Karfreitag und endet im Fegefeuer (Läuterungsberg als Vorstufe zum Paradies) am Mittwoch der Karwoche (im Paradies wird der Tag zur Ewigkeit und zählt nicht mehr). Nach der Unterweltfahrt des Eneas und des hl. Paul (wobei ersterer die Vorbestimmtheit des Römischen Reichs zu belegen suchte und der zweite in christlicher Mission unterwegs war) ist Dante der dritte Mensch, der das Jenseits bereist, um die korrupte Menschheit daran zu erinnern, dass die untrennbare Einheit von Kirche und Kaiserreich gottgewollt ist. Die Hölle ist ein durch den Fall von Luzifer entstandener Trichter und besteht aus sich zum Erdmittelpunkt (dem Ort absoluter Dunkelheit und der Negation Gottes, denn Gott ist Licht) hin verjüngenden Kreisen. Das Zentrum des größten Kreises befindet sich direkt unter Jerusalem (Ort der Passion Christi). Die Hölle setzt sich aus 9 solcher terrassenförmig angeordneten Kreisen zusammen. An der auf der Erdkugel Jerusalem gegenüberliegenden Stelle befindet sich der Berg der Läuterung, der sich durch die durch den Sturz Luzifers zurückgedrängte Erde gebildet hat. Der sich aus dem Meer erhebende Läuterungsbergs (Purgatorio) besteht aus 7 Terrassen bzw. Ebenen, und geht an dessen Spitze in die Hochebene des irdischen Paradieses über, durch dessen 9 Himmel Dante und Beatrice bis ins Empyreum gelangen.
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