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Sandro Botticelli |
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Alessandro di Mariano Filipepi, bekannt als Sandro Botticelli (Florenz 1445 - Florenz 1510)
Einführung Der Sohn des Florentiner Lohgerbers Mariano Filipepi, Alessandro, kurz Sandro genannt, trägt aus unbekannten Gründen den Beinamen Botticelli. Gegen 1464 geht er für etwa drei Jahre bei dem bedeutenden Maler Filippo Lippi in die Lehre. Wenngleich er von seinem Lehrmeister eine reiche und elegante Formensprache gelernt hat, scheint er sich letztendlich noch mehr für die Arbeiten der beiden Maler der zweiten Generation der Florentiner Renaissance zu interessieren: Andrea Verrocchio, für den er einige Zeit tätig war, und Piero Pollaiolo. Bei ihnen imponiert ihm die schwungvoll erregte, feingliedrige Linienführung, die bei ersterem zur neuartigen Darstellung der Anatomie bei letzterem zur Darstellung der Bewegung genutzt wurde. Der Bildhauer Agostino di Duccio (1418-nach 1481) dessen schwungvoller Stil ihm ebenfalls imponierte, war ein weiterer Lehrmeister Botticellis. Ein Maler auf der Suche nach seinem Stil Aus dieser ersten Periode stammen mehrere Madonnen mit Kind (1), zumeist von Engeln umgeben, die sich durch höfische Anmut auszeichnen; es lässt sich deutlich erkennen, wie der Einfluss des Lehrmeisters Lippi allmählich dem durch Verrocchio weicht. Zu seinen Madonnen aus dieser Zeit zählen jene in der Accademia und in der Galleria in den Uffizien in Florenz, im Nationalmuseum Capodimonte in Neapel, im Fesch-Museum in Ajaccio, im Louvre, in der Londoner National Gallery in der National Gallery in Washington, etc. Dank der Fürsprache von Tommaso Soderini, einem Vertrauten der Médicis, erhält Botticelli 1470 seinen ersten offiziellen Auftrag: Fortitudo (2) – eine allegorische Figur für das Handelsgericht von Florenz. Dieses, heute in den Uffizien ausgestellte Gemälde zeigt deutlich, dass die Einflüsse von Verrocchio und Piero Pollaiolo, dessen Gruppe allegorischer Figuren er mit dieser letzten vollendete, endgültig die ursprüngliche Prägung durch den ersten Lehrmeister Filippo Lippi ablösen. Die Madonna mit sechs Heiligen (3) (Uffizien) ähnelt im Stil der Fortitudo und entstand etwa auch zur gleichen Zeit. 1472 trat Botticelli der Compagnia de San Luca bei. In dieser Zeit entstanden die beiden kleinen, brillant ausgeführten Gemälde der Rückkehr der Judith (Uffizien). Der heilige Sebastian (4) aus dem Berliner Museum stammt wahrscheinlich aus der Santa Maria Maggiore in Florenz und entstand wahrscheinlich etwas später; Die Körperspannung und Anatomie erinnert an Pollaiolo, doch der meditative Ausdruck zeigt eine tiefere Spiritualität. 1474 wurde Botticelli nach Pisa berufen, um den Freskenzyklus des Campo Santo zu vollenden, doch er kann diesen Auftrag nicht übernehmen. Förderung durch die Medicis Wieder zurück in Florenz erhielt 1475 Botticelli den Auftrag, die Figur der Pallas für die Standarte von Giuliano de Medici anlässlich eines Turniers auf der Piazza Santa Croce zu malen: die Maler der damaligen Epoche empfanden derartige Aufträge nicht unter ihrer Würde. Botticelli erhielt somit Zugang zum Kreis der Medicis. Ein Freund dieser berühmten Familie, der Bankier Giovanni Lami, gibt bei ihm etwa zur gleichen Zeit das Bild Anbetung der Könige (5) (Uffizien) für seine Kapelle in der Kirche Santa Maria Novella in Auftrag. Eines der ersten großen Werke des Künstlers, in dem verschiedene Mitglieder der Florentiner Regentenfamilie Medici sowie der Künstler selbst dargestellt sind: Cosimo de Medici (genannt der Ältere), Piero I. de Medici, (genannt "Der Gichtige"), Giovanni, Lorenzo und Giuliano. Auch die sehr schönen Einzelportraits "Mann mit der Medaille Cosimos d . Ä." (Uffizien), und das "Porträt des Giuliano de Medici" (National Gallery, Washington) sind etwa dieser Zeit zuzuordnen. Aufenthalt in Rom 1481 und 1482 weilt Botticelli in Rom. Dieser Zeitraum stellt eine seiner wichtigsten Schaffensperioden dar. Gemäß eines am 27. Oktober 1481 unterzeichneten Vertrags beauftragt der Papst Sixtus IV ihn, gemeinsam mit Cosimo Rosselli (1439-1507), Ghirlandaio und Perugin – und später auch Signorelli, le Pinturicchio (1554 ?-1613) und Piero di Cosimo (ca. 1462-1521) – die Fresken für die gerade im Vatikan erbaute Kapelle – die so genannte "Sixtinische Kapelle" - zu malen, die Szenen aus dem Alten und Neuen Testament sowie Elemente des Pontifikats zeigen. Botticellis Anteil besteht in den folgenden drei Werken: die Jugend des Moses, die Bestrafung der Leviter und die Versuchung Christi (7). Es sei angemerkt, dass jedes einzelne, wie es im Mittelalter üblich war, mehrere Episoden zur gleichen Zeit darstellt. Die brillante Anbetung der Könige der National Gallery in Washington ist ein weiteres der Werke, die der Künstler während seines Aufenthalts in Rom schuf. Die Glanzzeit der Stadt Florenz In Florenz agierten Lorenzo de Medici (der Prächtige) und seine Anhänger als passionierte Verfechter des Humanismus und fanden in Botticelli den Maler, der ihre Vorstellungen künstlerisch am besten umzusetzen verstand. Für Lorenzo und Giovanni di Pierfrancesco malt er auch kurz nach seiner Rückkehr die beiden mythologischen Gemälde der Villa di Castello, die heute in den Uffizien ausgestellt sind: Minerva und der Kentaur (8) und Die Geburt der Venus (9); Und wahrscheinlich fertigte er auch im Auftrag Lorenzo des Prächtigen die Serie von vier Gemälden zu Boccaccio's Gastmahl des Nastagio degli Onesti (10) an, von der sich heute drei Werke im Madrider Prado und eines in einer Privatsammlung in den USA befinden. Das Gemälde Mars und Venus (11) (Londoner National Gallery) ist wahrscheinlich von einer anderen berühmten Familie, der Vespucci-Familie, in Auftrag gegeben worden. Um 1485 herum kehrt der gereifte Künstler Botticelli zur Madonnendarstellung zurück; Die berühmtesten Madonnendarstellungen aus dieser Zeit sind Madonna mit dem Buch im Museo Poldi Pezzoli in Mailand, Madonna del Magnificat (12) und die Maria mit dem Granatapfel in den Uffizien, beides "Tondo"-Werke, sowie die Thronende Madonna (Bardi-Altar) (13) (Berlin), die von Agnolo Bardi für seine Kapelle in der Kirche Santo Spirito in Florenz in Auftrag gegeben worden war. Kurz vor 1490 erhält der Künstler einen der seltenen wahrhaften Großaufträge in seiner Karriere für die zwei großformatigen Werke: Altarretabel des Heiligen Barnabas (14) (Uffizien), geschaffen für die Florentiner Bruderschaft der Mediziner und Apotheker, das auf der Haupttafel eine thronende Madonna umgeben von sechs Heiligen und vier Engeln und auf der Predella verschiedene Szenen darstellt; und die von der Goldschmiedezunft in Auftrag gegebene Altarretabel der San Marco Kirche (Uffizien), auf der auf der Haupttafel die Krönung Mariae und vier Heilige und auf der Predella Szenen aus dem Leben der Heiligen dargestellt sind, und die deutliche Anzeichen dessen aufweist, dass auch seine Schüler an dieser Arbeit mitgewirkt haben.
Schlusskrise Der Tod von Lorenzo dem Prächtigen 1492 setzt der Blütezeit der Stadt Florenz ein jähes Ende. Nach der Vertreibung des unfähigen Nachfolge-Regenten Piero II. de Medici errichtete Girolamo Savonarola einen diktatorischen „Gottesstaat“. Die politische und moralische Krise, in die dieser Bußprediger Florenz stürzte, erklärt zum großen Teil die Änderungen, die in Botticellis Werken der Spätphase deutlich werden. In diesen kommt eine derartige Frömmigkeit und religiöse Ergriffenheit zum Ausdruck, die eindeutig dem Einfluss Savonarolas zuzuschreiben ist. Linienführung, Bewegung und Farbe Während der Florentiner Frührenaissance entsteht in der ersten Hälfte des 15.Jh. ein wichtiger, von den Malern Masaccio und Uccello begründeter Stil, dessen Vertretern es vor allem darauf ankam, eine realistische, lebendige Darstellungsweise und moderne Formensprache zu finden, bei der die exakte Perspektive sowie Farb- und Lichtführung eine wichtige Rolle spielten. Humanismus und Christlicher Glaube Sein linearer, geradliniger Stil und dessen schwungvoll erregte Anmut hätten aus Botticelli wohl einen Vorboten des Manierismus des 16. Jh. gemacht, wenn er nicht vor allem den spirituellen Bedürfnissen seiner Zeit nachgekommen wäre. Die Werke Botticellis sind Ausdruck des Florentiner Humanismus, und insbesondere des neoplatonistischen Gedankenguts des Kreises um Lorenzo den Prächtigen herum und seines wortgewaltigen Vertreters Marsilio Ficino. Nach dieser Philosophie galt es die Welt als Reflexion der Welt von Ideen zu sehen. Der Humanismus zeigt sich in Botticellis Werken selten von seiner archeologogischen Seite, mit Ausnahme der Darstellung einiger monumentaler Bauwerke wie dem Triumphbogen Arco di Costantino auf den Fresken der Sixtinischen Kapelle oder im Werk die Verleumdung des Apelles nach den Beschreibungen des antiken Meisterwerks von Lukian und L. B. Alberti – dies wäre jedoch um so schwieriger gewesen, wenn es der Künstler nicht verstanden hätte, den Werken eine gewisse Dramatik zu verleihen. Viel häufiger schuf der Künstler, nach Absprache mit seinen Mäzenen teilweise esoterisch wirkende mythische Darstellungen. Das Werk La Primavera (Der Frühling) zum Beispiel, für das es widersprüchliche Deutungen gibt, scheint auf beiden Seiten der Liebesgöttin Venus die körperliche Liebe der geistigen gegenüberzustellen. Die Geburt der Venus kann man als Hymne an die Fruchtbarkeit interpretieren und Minerva bändigt den Kentaur als Symbol für die Widersprüchlichkeit der menschlichen Natur. |
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